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Das hölzerne Glück steht vor der Tür

Der Holzgestalter Mario Knapp aus dem Erzgebirge sorgt auf dem Weißenfelser Kugelberg für tierische Überraschungen. Er verwandelt Baumstümpfe in Skulpturen. Zahlreiche Zuschauer schauen dabei interessiert zu wie der freischaffende Künstler mit der Motorsäge hantiert.

VON BÄRBEL SCHMUCK

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WEISSENFELS/MZ - Wenn Bodo Gomm aus dem Küchenfenster schaut, begrüßen ihn jetzt zu jeder Tageszeit Tiere vor der Haustür. Es sind nicht irgendwelche, sondern besondere Wesen, die Mario Knapp geschaffen hat. Vor dem Eingang in der Weißenfelser Hardenbergstraße 16 schaut plötzlich ein Igel keck aus seinem Versteck, nebenan steht ein stattlicher Kranich, der als Vogel des Glücks gilt. Unweit von den beiden Neuankömmlingen haben es sich Katze und Schnecke vor dem Wohnblock auf dem Kugelberg gemütlich gemacht. Sie präsentieren sich auf einem Podest, der vorher noch ein schnöder Baumstamm war.


Viele Zuschauer

Knapp arbeitet den ganzen Tag lang mit Schutzbrille und Kettensäge. Das Wetter spielt mit, ist wie geschaffen für den gelernten Holzgestalter, der auch das Zimmermannshandwerk beherrscht. Totholz haucht der Familienvater wieder Leben ein. Und er hat eine Menge Zuschauer, die ihm in dieser Woche bei seiner Arbeit unter freiem Himmel zusehen und mit Kind und Kegel die tierischen Hausbewohner bestaunen. „Sowas Schönes haben wir in Leißling nicht“, staunt die elfjährige Talisa, die gerade ihre Großeltern auf dem Kugelberg besucht. Der Igel hat es dem Mädchen besonders angetan und es streicht immer wieder behutsam über das Holz. Vater Daniel Kühne nickt anerkennend und sagt: „Sowas Tolles haben wir nicht vor unserer Haustür - Respekt vor so einer Arbeit.“ Bodo Gomm und seine Frau Renate sind so beeindruckt, dass sie ihre Freude nicht nur mit Worten zum Ausdruck bringen. Er steigt die Treppe hinauf in die Wohnung und kommt mit einem Blatt Papier zurück. Der Senior, der gerne dichtet und malt, schenkt dem Mann mit der Kettensäge ein paar Zeilen aus eigener Feder mit einer Illustration. Das Gedicht handelt von der Natur, weil Gomm leidenschaftlicher Kleingärtner ist und mit seiner Frau viel Zeit auf seiner Scholle im Weißenfelser Ortsteil Schkortleben verbringt. Mario Knapp ist gerührt und bedankt sich bei dem 72-jährigen Rentner mit einer Gegenleistung. „Ihr Gedicht gefällt mir, es hat mich nach Feierabend so inspiriert, dass ich nachgedacht habe und nun ein Miniatur-Gartenidyll schaffen werde“, verspricht er am nächsten Morgen. Herausgekommen ist nach wenigen Stunden aus Baumstamm „Nummer drei“ eine Laube mit einem Baum in Kleinformat.

Auftrag der WVW

Der Holzkünstler kam in dieser Woche nicht rein zufällig nach Weißenfels. „Ich bin im Auftrag der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung hier“, sagt der 49-jährige Zimmermann aus der Nähe von Chemnitz in Sachsen. Dort hat WVW-Geschäftsführerin während eines Arbeitsbesuchs bei einer kommunalen Wohnungsgesellschaft die Idee aufgegriffen und den Holzgestalter aus dem Erzgebirge nach Weißenfels geholt. Die WVW investiere für dieses Stück Lebensqualität zur Aufwertung des Wohngebietes 2 300 Euro. „Das sind uns unsere Mieter wert“, sagt die Chefin.

In seiner Heimat sei er von der Pike auf mit Holz aufgewachsen, plaudert der traditionsbewusste Mann. In seinem Zuhause, das sich in der Nähe von Schloss Lichtenwalde befinde, habe der freischaffende Künstler die Möbel selbst gebaut, das sei nach zehn Jahren Selbstständigkeit Ehrensache. Die Kunstwerke in der Hardenbergstraße sind übrigens nicht zum Wegtragen. „Ich habe sie so verankert, wie es sich nach guter alter Zimmermannsmanier gehört“, meint Knapp.

KOMMENTAR

Abgucken erwünscht

Sie machen nicht nur eine gute Figur vor den eher spaitanisch wirkenden Hauseingängen. Sie werden von den Hausbewohnern freundlich aufgenommen, fotografiert und gestreichelt. Die Tiere aus Holz sind angekommen, integriert, von Anfang an. Der Vermieter, in diesem Fall die Wohnungsbau Wohnungsverwaltung in Weißenfels, hat sein Ziel erreicht und den Nerv der Mieter auf dem Kugelberg getroffen.

Und dabei hat er - wie es bei den "Prinzen" in einem Popsong heißt - "alles nur geklaut". Na und, abgucken muss erlaubt, ja, erwünscht sein, wenn es passt. Da braucht man nicht auf Holz zu klopfen. Wie sehr sich die Anwohner mit den Skulpturen identifizieren, ist nicht zu übersehen. Die Stadtmöbel peppen das Umfeld auf und vermitteln Lebensqualität. Ein paar Stauden und ein wenig Immergrünes ringsum könnten den Punkt aufs i setzen.

Ein Plattenbaugebiet muss nicht trist bieiben. Zu einer optischen Aufwertung für wenig Geld tragen neben Farbe und Stadtgrün auch Kranich und Igel allemal bei. In Weißenfels könnten mehr solcher Gutelaunemacher stehen. Abgucken ist erwünscht. Unbedingt.

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